22.03.11

Guerilla Gardening

Ich bin infiziert. Und obwohl ich als Kind davon geträumt habe, Greenpeace-Aktivistin zu werden, bin ich von der braven Sorte. Ich trau mich kaum, etwas Revolutionäres anzupacken, ich träume lieber davon.
Als ich jedoch letzthin das Buch Guerilla Gardening von Richard Reynolds entdeckte, schob sich ein kleines, freches Etwas in meinem Kopf an vorderste Front.
Cover Guerilla Gardening
Schon vor Jahren versuchte ich das langgezogene Garagendach in meinem Hinterhof mit gezielten Samenbomben zu bepflanzen. Im ersten Anlauf war meine Samenbombe zu leicht und obwohl ich sehr genau zu zielen versuchte, landete das Geschoss nur wenige Meter unterhalb meines Balkons. Ich versuchte es mit dazugepackten Kieselsteinen, um das Gewicht zu erhöhen und ich wagte mich sogar an eine aus Gummibändern konstruierte Steinschleuder. Die Samenbomben landeten nur vereinzelt da, wo ich sie hin haben wollte und gewachsen ist da nie wirkliche etwas. Der Untergrund ist zu wenig nahrhaft und die Hitze, die im Sommer auf das Dach brennt ist so stark, dass alles was an Hauswurzen und Trockenheit liebenden Pflanzen wächst, im Sommer zu einer ausgemergelten Steppenlandschaft verkommt. So beschränkte ich meine Gärtnerleidenschaft auf meine beiden Balkone und alle meine Fenstersimse und Blumentöpfe.
Von Guerilla Gardening hatte ich schon gehört, denn Maurice Maggi ist der wohl berühmteste Blumen Grafitti Künstler in Zürich. Er hat einige Baumscheiben [so heissen im Fachjargon die von Asphalt und Pflastersteinen meist freien Flächen um Strassen- und Stadtbäume] in meiner nächsten Umgebung mit seinen Blumen Grafittis verschönert. Bloss bei mir vor der Haustüre hinterliess er noch keine Spuren und so könnte es gut sein, dass ich in Zukunft mit dem Schraubenzieher und diversen Blumensamen in der Tasche durch die Welt ziehe. Ja, der Schraubenzieher könnte das ideale Werkzeug sein um unauffällig kleine Löcher in die Erde zu graben und darin Samenschätze zu deponieren. Richard Reynolds schreibt in seinem Manifest: Ein einfacher Guerilla-Gärtner braucht kein Werkzeug — um Samen zu verstreuen, ist wirklich keine spezielle Ausrüstung nötig. Willst du jedoch sichergehen, dass die Saat auch aufgeht, lohnt es sich, die Erde vorher ein wenig zu lockern. So kann der Samen wesentlich einfacher Wurzeln schlagen als in hartem Grund.

Einigen Leuten aus meinem Umfeld habe ich bereits davon erzählt. Diese oder jene haben sich sogar bereit erklärt, mich auf Streifzügen zu begleiten und vor ein paar Tagen musste ich schmunzeln, als ich etliche Briefchen mit Samen vor meiner Wohnungstüre fand. Eine meiner Nachbarinnen scheint mich darin voll zu unterstützen. Dazu habe ich bereits eine grosse Samenbestellung geordert. Im Webshop von Pflanzen-Vielfalt. Nicht alles davon werde ich auf fremdem Grund und Boden hinterlegen, einiges wird bei mir wachsen und hoffentlich blühen.

Ich tauch dann wieder einmal ab, in mein botanisches Manifest. Mehr zu meinem Projekt, wenn es blüht.
Vorsatzblatt Guerilla Gardening

GUERILLA GARDENING
Ein botanisches Manifest

von Richard Reynolds
aus dem Englischen von Max Annas

15 x 20 cm | 256 Seiten | Klappenbroschur
€ 20,- (D) | € 20,60 (A) | SFr 30,90 (CH)
ISBN 978-3-936086-44-7

7 Kommentare:

  1. Ich finde das ist die schönste Art "aktiv" zu sein.

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  2. Davon habe ich noch nie gehört, finde es genial!
    lg Tagpflückerin

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  3. Es gibt auch Guerilla-Knitting! Aber Blumen finde ich schöner...

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  4. Die AhoiMeise hat neulich für diesen Zweck Seed Bombs gebaut (http://de.dawanda.com/product/17215345-Seed-Bombs-Schmetterlingswiese). Mich erinnert das sehr an "Peter Lustigs Löwenzahn", eine Kindersendung der Achtziger (gibt es aber bish heute). Dort wurde mal dazu aufgerufen, Verkehrsinseln "illegal" zu begrünen :)

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  5. mannohmannn, wir ticken echt ähnlich.
    bei mir ist die guerilla gardening idee auch schon vor jahren mal dagewesen, aber inzwischen ist es das urban gardening, was mich anmacht, siehe hier:
    http://prinzessinnengarten.net/
    und hier:
    http://www.amazon.de/Urban-Gardening-R%C3%BCckkehr-G%C3%A4rten-Stadt/dp/3865812449/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1300823467&sr=1-1
    ich bin feuer und flamme, und versuche zunächst einmal ein paar mobile radieschen auf meinem leider schattigen balkon zu pflanzen.
    mobil deshalb, weil der platz nicht ausreicht, und wenn ich essen will auf dem balkon, kann ich die pflanzen schnell rein stellen...
    ach ja, lasst die grünen daumen spriessen, es ist frühling!!!!
    viel erfolg und keep us posted!!
    ganz an liabn aus münchen...
    vroni

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  6. Sehr geehrte Damen und Herren

    Mein Name ist David , 22 Jahre alt, und studiere Film an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich.

    Nun plane ich einen Dokumentarfilm über Guerilla Gardening in Zürich.
    Im Moment recherchiere ich zu diesem Thema und bin auf der Suche nach Personen, die in Zürich aktiv Guerilla Gardening betreiben.

    Speziell bin ich noch auf der Suche nach einer Person in Zusammenhang mit Guerilla Gardening in Zürich, die ich für meinen Film Anfang 2012 portraitieren könnte.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen würden. Vielleicht gibt es in Ihrem Kreis eine interessierte Person, die sich für diesen Film zur Verfügung stellen würde.
    Vielen Dank.

    Mit freundlichen Grüssen
    David
    Mail: davidentertainment@gmx.net

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