12.02.13

Noch so eine alte Geschichte…


Im vergangenen Herbst feierten meine Eltern ihren 50. Hochzeitstag. Zur Feier brachte meine Mutter das Fotoalbum mit und wir schwelgten in alten Geschichten. In diesem Fotoalbum hatte sie tags zuvor einen amtlichen Brief, der in Vergessenheit geraten war wiederentdeckt. Die Geschichte dazu ist höchst unterhaltend:

Obwohl sich meine Eltern schon gut 2 Jahre kannten, wusste meine Mutter nicht, an welchem Tag ihr Schatz Geburtstag hat. Das einzige was sie kannte war sein Sternzeichen. Und da sie ihm gerne zum Geburtstag gratulieren wollte, wählte sie den amtlichen Weg um an diese Information zu gelangen. Eine Sache die wir uns heute mit unseren strengen Datenschutz-Gesetzen gar nicht mehr vorstellen können. Meine Mutter schrieb an die Einwohnerkontrolle Zürich und erfragte da das gewünschte Geburtsdatum ihres Liebsten.

Die Antwort bekam sie promt. In schreibmaschienenrot schrieb der Beamte die gewünschte Antwort direkt auf das Anfrageschreiben. Daneben wurden die Aufwände gleich abgerechnet. Meine Mutter arbeitete damals bei einem Buchverlag und war mit den Ämtern vertraut. Es war Teil ihrer Arbeit, Adressen säumiger Kunden einzufordern. Sie wusste, was eine solche Auskunft kostet und legte den entsprechenden Betrag in Briefmarken gleich bei. Die Auskunft kostete jedoch nicht die erwarteten 60 Rappen, sie war teurer, 1 Franken war fällig und daher bekam meine Mutter die Antwort per Nachname! Die Differenz von 40 Rappen + das Porto von 25 Rappen waren bar an den Briefträger zu zahlen.

Ich habe zuerst fassungslos gestaunt und kaum glauben wollen, dass das Einwohnermeldeamt eine solche Auskunft gibt. Etwas das heute unmöglich erscheint. Und dann habe ich mich einfach köstlich amüsiert. Es passt so gut zu meinem Mami. Alles was man schriftlich erledigen kann, wird noch heute schriftlich erledigt. Und dann lachten wir über den Aufwand der Abrechnung. Heute wäre eine solche Abrechnung um einiges teurer. Schon die blosse Nachnamegrundgebühr liegt bei 12 Franken.

Und was tun wir heute wenn wir solch eine Auskunft bekommen möchten? Wir durchforsten das Internet und wenn das nichts ergibt, hilft uns bloss im Freundeskreis Auskünfte einzufragen. Das Einwohnermeldeamt gibt uns mit Sicherheit keine Auskunft mehr.

Mami hat auch darüber geschrieben. Hier der Link dazu.

Die Tischdeko ist übrigens schnell nachgemacht. Meine Mutter hat aus ihrem Fotoalbum die Bilder digital abfotografiert und sie mir per mail geschickt, da sie keinen Scanner hat. Diese Fotos habe ich im Photoshop freigestellt und einmal seitenrichtig und einmal gespiegelt durch den Drucker auf dickes weisses Papier mittig ausgedruckt (Da wären wir wieder beim Thema ist das Bild jetzt seitenrichtig oder seitenverkehrt...). Dann schnitt ich die Personen mit der Schere aus und steckte sie in einen Kartenständer. Fertig. Natürlich kann man Bilder auch einscannen und dann so weiterverarbeiten. Bei der Wahl des Bildes ist es von Vorteil, wenn die Menschen nicht von der Seite aufgenommen sind. Und wichtig ist, dass das seitenrichtige wie auch das seitenverkehrte Bild zentriert ausgedruckt wird. Es muss Vor- und Rückseitig passgenau in der Mitte stehen, sonst lässt es sich nicht ausschneiden.

Passt vielleicht gut auf das Valentinstags-Frühstücktablett ;-)

Kommentare:

  1. Mein 8 jähriger Sohn bekam von einem Teenager eine zu klein gewordene Jacke eines Fussballclubs. Wir wollten ihm einen Dankesbrief schreiben, wussten allerdings nur den Namen und den Wohnort, nicht aber die Adresse. Ein kurzes Telefon an die Gemeinde am Montagmorgen, eine nette und verständnisvolle Person am anderen Ende und ich habe die Adresse bekommen. Früher war solcher Service normal, heute nennt man es wohl "Glück".
    Lieber Gruss
    Milena

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  2. Eine tolle Geschichte, und amüsant zugleich!
    Vielen Dank fürs Teilen!
    Liebe Grüsse
    Brigitte Forster

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  3. Schön, die alten Fotos auf diese Weise zu verwenden. Vielen Dank auch für's Erzählen dieser wundervollen Geschichte.
    Lieben Gruß und einen wundertollen Tag für Dich!

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